Samstag, 5. Februar 2022,
11–18 Uhr
Online-Veranstaltung
über die Website des Haus der Kunst
ohne Anmeldung, auf Deutsch und Englisch
Anlässlich der Retrospektive „Heidi Bucher. Metamorphosen“ widmen das Haus der
Kunst und The Estate of Heidi Bucher dem Lebenswerk der Künstlerin erstmalig
ein ganztägiges digitales Symposium. Dieses befasst sich mit ihren
multimedialen Verfahrensweisen wie auch emanzipatorischen Themen und möchte
einen Beitrag zur Erforschung ihrer künstlerischen Anliegen leisten. Im Fokus
stehen Heidi Buchers Rolle während des gesellschaftlichen Wandels der
Nachkriegszeit als eine – wenn auch meist übersehene – Hauptvertreterin der
internationalen Neo-Avantgarden sowie ihre Bedeutung im Hinblick auf
gegenwärtige Körperpolitiken.
Das Symposium spürt Heidi Buchers performativen Entdeckungen sowie der
Emanzipation des sensuellen, empfindsamen Körpers im 20. Jahrhundert nach und
umfasst:
- die Uraufführung der Komposition Music for Bodyshells von Nik Bärtsch
- ein Interview mit den Söhnen der Künstlerin
- ein Screening von teils nie zuvor gezeigtem Filmmaterial
- drei Podiumsdiskussionen mit internationalen Wissenschaftler*innen und
Ausstellungsmacher*innen.
In den ersten Latex-Häutungsaktionen der 1970er-Jahre manifestiert sich Buchers
zukünftige Beschäftigung mit dem menschlichen Körper und der Psyche im Kontext
von privaten wie öffentlichen Lebensräumen, von gesellschaftlichen wie auch
geschlechtlichen Normen und Konditionierungen. Mit den unter enormen
körperlichen Kraftanstrengungen durchgeführten Latex-Häutungen – zunächst von
Orten der eigenen Biographie und später historisch belasteter, öffentlicher
Gebäude – überträgt Bucher psychische Prozesse auf das Material. Ihre
Verschränkung verschiedener Medien mündet in ein Spiel mit der An- und
Abwesenheit des Körpers als Medium und Mittelpunkt einer materiellen und
skulpturalen Verwandlung.
Bereits die ersten Raumhäutungen wurden umfassend fotografisch und filmisch
aufgezeichnet. Neben Skizzen und Notizen verfasste Bucher auch Instruktionen
und Aktionsabläufe ihrer Werkprozesse. In den vielfach erstmalig
veröffentlichten Archivalien offenbart sich, dass die kollektive Partizipation
und mediale Aufzeichnung essenzielle Bestandteile ihrer Arbeit sind. Diese
künstlerische Praxis und radikalen Vorstellungen von Körper- und
Raumtransformationen erlauben ein vielfältiges Gedankenspiel für alternative
Gesellschaftsentwürfe in der Gegenwart.
11 Uhr
Begrüßung
Andrea Lissoni, Künstlerischer Direktor, Haus der Kunst
Indigo Bucher und Mayo Bucher, The Estate of Heidi Bucher
Einführung
Jana Baumann, Senior Kuratorin, Haus der Kunst
11.30 Uhr
Mayo und Indigo Bucher im Gespräch mit Jana Baumann
12.15 Uhr
Impulsreferate und Podiumsdiskussion I
Emanzipatorische Werkprozesse: Heidi Bucher und die Neo-Avantgarden
- Jenni Sorkin, Außerordentliche Professorin für Kunst- und
Architekturgeschichte, University of California, Santa Barbara
- Ian Alteveer, Aaron I. Fleischman Kurator für moderne und zeitgenössische
Kunst, Metropolitan Museum of Art, New York
- Anne-Marie Bonnet, Professorin für Kunstgeschichte, Universität Bonn
(Moderation)
- Kathleen Bühler, Chefkuratorin für Gegenwartskunst, Kunstmuseum Bern
13.30 Uhr
Filmscreening Heidi Bucher
- Sequenzen der Häutung Herrenzimmer (1978, 13’46‘‘)
- Häutung Kleines Glasportal (Sanatorium Bellevue, Kreuzlingen) (1988,
2‘8‘‘)
- Der Schlüpfakt der Parkettlibelle (Le Prison, Le Landeron) (1983,
17‘10‘‘)
- Ablarven (Le Prison, Le Landeron) (1983, 40‘‘)
- Räume sind Hüllen, sind Häute (1981, 33‘)
14.45 Uhr
Impulsreferate und Podiumsdiskussion II
Filmische und performative Praktiken als mediale Entgrenzung: Buchers Körper-
und Raumskulpturen
- Ana Janevski, Kuratorin für Medien und Performancekunst, Museum of Modern
Art, New York
- Andrea Lissoni, Künstlerischer Direktor, Haus der Kunst (Moderation)
- Cecilia Fajardo-Hill, Kunsthistorikerin und Kuratorin für zeitgenössische
lateinamerikanische Kunst
16.00 Uhr
Impulsreferate und Podiumsdiskussion III
Sensuelle Körperkonzepte und neue Lebensformen: Die Haut als Schnittstelle zur
Welt
- Jenny Schlenzka, Direktorin, Performance Space, New York
- Chus Martínez, Kunstkritikerin, Professorin und Leiterin des Instituts Kunst
Gender Natur, Hochschule für Gestaltung und Kunst, Basel (Moderation)
- Quinn Latimer, Kunstkritikerin, Dichterin und Schriftstellerin
17.15 Uhr
Einführung Bodyshells Performance
Luisa Seipp, Kuratorische Assistenz, Haus der Kunst
17.30 Uhr
Music for Bodyshells von Nik Bärtsch
Wir freuen uns über Ihre Teilnahme und Berichterstattung. Bei allen Fragen im
Bereich Presse stehen wir Ihnen wie immer gerne zur Verfügung. Bildmaterial
finden Sie zum Download unter www.hausderkunst.de/presse.
Mit herzlichen Grüssen,
Claudia Illi
Montag, 31. Januar 2022
Heidi Bucher: Ein Online-Symposium mit Talks, Screenings und Musik
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