Montag, 31. Januar 2022

Heidi Bucher: Ein Online-Symposium mit Talks, Screenings und Musik

 Samstag, 5. Februar 2022, 11–18 Uhr

Online-Veranstaltung
über die Website des Haus der Kunst
ohne Anmeldung, auf Deutsch und Englisch


Anlässlich der Retrospektive „Heidi Bucher. Metamorphosen“ widmen das Haus der Kunst und The Estate of Heidi Bucher dem Lebenswerk der Künstlerin erstmalig ein ganztägiges digitales Symposium. Dieses befasst sich mit ihren multimedialen Verfahrensweisen wie auch emanzipatorischen Themen und möchte einen Beitrag zur Erforschung ihrer künstlerischen Anliegen leisten. Im Fokus stehen Heidi Buchers Rolle während des gesellschaftlichen Wandels der Nachkriegszeit als eine – wenn auch meist übersehene – Hauptvertreterin der internationalen Neo-Avantgarden sowie ihre Bedeutung im Hinblick auf gegenwärtige Körperpolitiken.

Das Symposium spürt Heidi Buchers performativen Entdeckungen sowie der Emanzipation des sensuellen, empfindsamen Körpers im 20. Jahrhundert nach und umfasst:
- die Uraufführung der Komposition Music for Bodyshells von Nik Bärtsch
- ein Interview mit den Söhnen der Künstlerin
- ein Screening von teils nie zuvor gezeigtem Filmmaterial
- drei Podiumsdiskussionen mit internationalen Wissenschaftler*innen und Ausstellungsmacher*innen.

In den ersten Latex-Häutungsaktionen der 1970er-Jahre manifestiert sich Buchers zukünftige Beschäftigung mit dem menschlichen Körper und der Psyche im Kontext von privaten wie öffentlichen Lebensräumen, von gesellschaftlichen wie auch geschlechtlichen Normen und Konditionierungen. Mit den unter enormen körperlichen Kraftanstrengungen durchgeführten Latex-Häutungen – zunächst von Orten der eigenen Biographie und später historisch belasteter, öffentlicher Gebäude – überträgt Bucher psychische Prozesse auf das Material. Ihre Verschränkung verschiedener Medien mündet in ein Spiel mit der An- und Abwesenheit des Körpers als Medium und Mittelpunkt einer materiellen und skulpturalen Verwandlung.

Bereits die ersten Raumhäutungen wurden umfassend fotografisch und filmisch aufgezeichnet. Neben Skizzen und Notizen verfasste Bucher auch Instruktionen und Aktionsabläufe ihrer Werkprozesse. In den vielfach erstmalig veröffentlichten Archivalien offenbart sich, dass die kollektive Partizipation und mediale Aufzeichnung essenzielle Bestandteile ihrer Arbeit sind. Diese künstlerische Praxis und radikalen Vorstellungen von Körper- und Raumtransformationen erlauben ein vielfältiges Gedankenspiel für alternative Gesellschaftsentwürfe in der Gegenwart.

11 Uhr
Begrüßung

Andrea Lissoni, Künstlerischer Direktor, Haus der Kunst
Indigo Bucher und Mayo Bucher, The Estate of Heidi Bucher

Einführung
Jana Baumann, Senior Kuratorin, Haus der Kunst

11.30 Uhr
Mayo und Indigo Bucher im Gespräch mit Jana Baumann

12.15 Uhr
Impulsreferate und Podiumsdiskussion I

Emanzipatorische Werkprozesse: Heidi Bucher und die Neo-Avantgarden
- Jenni Sorkin, Außerordentliche Professorin für Kunst- und Architekturgeschichte, University of California, Santa Barbara
- Ian Alteveer, Aaron I. Fleischman Kurator für moderne und zeitgenössische Kunst, Metropolitan Museum of Art, New York
- Anne-Marie Bonnet, Professorin für Kunstgeschichte, Universität Bonn (Moderation)
- Kathleen Bühler, Chefkuratorin für Gegenwartskunst, Kunstmuseum Bern

13.30 Uhr
Filmscreening Heidi Bucher

- Sequenzen der Häutung Herrenzimmer (1978, 13’46‘‘)
- Häutung Kleines Glasportal (Sanatorium Bellevue, Kreuzlingen) (1988, 2‘8‘‘)
- Der Schlüpfakt der Parkettlibelle (Le Prison, Le Landeron) (1983, 17‘10‘‘)
- Ablarven (Le Prison, Le Landeron) (1983, 40‘‘)
- Räume sind Hüllen, sind Häute (1981, 33‘)

14.45 Uhr
Impulsreferate und Podiumsdiskussion II

Filmische und performative Praktiken als mediale Entgrenzung: Buchers Körper- und Raumskulpturen
- Ana Janevski, Kuratorin für Medien und Performancekunst, Museum of Modern Art, New York
- Andrea Lissoni, Künstlerischer Direktor, Haus der Kunst (Moderation)
- Cecilia Fajardo-Hill, Kunsthistorikerin und Kuratorin für zeitgenössische lateinamerikanische Kunst

16.00 Uhr
Impulsreferate und Podiumsdiskussion III

Sensuelle Körperkonzepte und neue Lebensformen: Die Haut als Schnittstelle zur Welt
- Jenny Schlenzka, Direktorin, Performance Space, New York
- Chus Martínez, Kunstkritikerin, Professorin und Leiterin des Instituts Kunst Gender Natur, Hochschule für Gestaltung und Kunst, Basel (Moderation)
- Quinn Latimer, Kunstkritikerin, Dichterin und Schriftstellerin

17.15 Uhr
Einführung Bodyshells Performance
Luisa Seipp, Kuratorische Assistenz, Haus der Kunst

17.30 Uhr
Music for Bodyshells von Nik Bärtsch

Wir freuen uns über Ihre Teilnahme und Berichterstattung. Bei allen Fragen im Bereich Presse stehen wir Ihnen wie immer gerne zur Verfügung. Bildmaterial finden Sie zum Download unter www.hausderkunst.de/presse.

Mit herzlichen Grüssen,
Claudia Illi

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